Ethnologie im Ruhrgebiet

Eine hochschul­übergreifende Initiative

Ethnologie als Wissenschaft von der kulturellen Prägung von Gesell­schaften, Gruppen und Individuen kommt beim Verständnis für fremde und eigene Lebenswelten eine zentrale Bedeutung bei. Diese hochschulübergreifende Initiative wurde im Sommersemester 2015 mit einer Reihe von Vorträgen an der Ruhr Universität Bochum gestartet, um die Bedeutung der Ethnologie im Ruhrgebiet zu stärken.

Hintergrund ist die momentan noch recht schwache Rolle des Faches in einer Region mit hoher kultureller, subkultureller und religiöser Vielfalt. Trotz ihrer Prägung durch Migrations­bewegungen seit dem 19. Jhdt. wurde historisch gesehen weder an den

Hochschulen noch an den Uni­versitäten Institute für Ethnologie etabliert. Auch wurde der ursprüng­liche Plan mit Gründung der Ruhr Universität Bochum im Jahr 1963 eine eigene Professur für das Fach einzurichten, erst nach 40 Jahren umgesetzt.

Seit der Jahrtausendwende gibt es zwar einzelne Lehrstühle und Professuren, die mit Ethnolog_innen besetzt wurden, diese neuen Stellen befinden sich jedoch an unterschied­lichen Hochschulen und Fakultäten, mit jeweils spezifischen inhaltlichen Ausrichtungen. Was auf die Einzelfälle betrachtet als Schwächung ethnologischer Expertise gesehen werden könnte, könnte sich in der Zusammenschau jedoch als Stärke erweisen. Sowohl für Studierende

als auch für Lehrende bietet die räumliche Nähe der Hochschulen im Ruhrgebiet nämlich ideale Austausch- und Kooperations­möglichkeiten, die zu einer Stärkung der Ethnologie als Ganzem beitragen kann.

Die thematischen Schwerpunkte der Professuren Haller (Ruhr Universiät Bochum), König (Universität Dortmund), Meyer (Folkwang Universität der Künste, Essen) und Falge (Hochschule für Gesundheit, Bochum) ergänzen sich mit materieller Kultur, Musik, Medizin/Gesundheit und allgemeiner Sozialanthropologie auf eine in Deutsch­land nahezu einzigartige Weise.